KI-freie Bilderzone
Peter Schuffelen sprach mit Andreas Genz, unter anderem Geschäftsführer der picture alliance, über den Stellenwert von KI-Bildern im Bildagenturbereich.

Herr Genz, die dpa-Tochter picture alliance arbeitet mit 400 Partneragenturen weltweit zusammen und bietet mehr als 300 Mio. Bilder an. Wie viele davon sind KI-generiert?
Andreas Genz: Kein einziges. Im Newsbereich sind KI-Bilder aus ethischen und presserechtlichen Gründen ein absolutes No-Go. Wir sind als Bildagentur der Objektivität und Wahrheit verpflichtet und leben von dem Versprechen, dass jedes Bild authentisch ist, das heißt, das zeigt, was gewesen ist. Schon eine Bildbearbeitung, die über normale Kontrast- und Farbkorrektur hinausgeht, ist Tabu, KI-generierte Bilder, die naturgemäß keine Aufzeichnung eines echten Ereignisses bedeuten, sind es ohnehin.
Im Nachrichtenbereich leuchtet das unmittelbar ein. Aber was ist mit Stockbildern, die Sie ja in ihrem Segment „Creative“ ebenfalls anbieten? KI-Bilder, sagen wir aus dem Bereich Food oder Natur, sind ja nicht per se ethisch bedenklich …
AG: Das mag im Einzelfall stimmen, und trotzdem haben wir uns dagegen entschieden. Aus Kundengesprächen wissen wir, dass die Bereitschaft, KI-Bildmaterial zu lizenzieren, recht schwach ausgeprägt ist. Das liegt unter anderem daran, dass die Rechtsunsicherheit noch groß ist. Zum einen sind die allermeisten KI-Modelle auf Daten trainiert worden, denen auch urheberrechtlich geschütztes Material zugrunde lag, dagegen wurde geklagt, und gerichtliche Entscheidungen sind hier zum Teil noch anhängig. Zum anderen ist ja immer noch nicht abschließend geklärt, ob und wenn ja unter welchen Voraussetzungen ich ein Urheberrecht an einem, sagen wir, Tierbild erwerbe, das ich prompte. Und: Bei KI-Bildern beobachten wir häufiger die Fortschreibung von Stereotypen. Die gepromptete Krankenschwester ist oftmals blond und schlank, auch wenn das mit der Realität nicht viel zu tun hat.
Eins scheint jedenfalls klar: Die Kosten bei der computergenerierten Bildproduktion sind konkurrenzlos.
AG: Nicht zwingend. Es gibt da beispielsweise den dpa-Fotografen Karl-Josef Hildenbrand, der fährt morgens um vier in den Bayerischen Wald und fotografiert in den Morgenstunden bezaubernde Bilder mit Sonne und Nebelschwaden. Ließe sich ein derart stimmungsvolles Bild auch prompten? Sicherlich – allerdings würde selbst ein professioneller Prompter dafür einige Zeit brauchen, und der kostet viele Hundert Euro pro Stunde.
Gibt es aus Ihrer Sicht gar keinen kommunikativen Bereich, in dem KI-Bilder Sinn machen?
AG: Ich gehe davon aus, dass typische Food-Stockaufnahmen wie Pizzateller auf einem Tisch künftig nicht mehr fotografiert, sondern gepromptet werden. Außerdem gibt es Themenfelder, …
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